Landesgruppe Niedersachsen

Sie sind hier: Diskussion

Aktuelles

Sonntag, 04 Februar 2024, 10:55

ausgebuchter Sprachheiltag 24.02.24


Der Sprachheiltag am 24.02.24 ist ausgebucht<...

Sonntag, 19 November 2023, 21:36

Sprachheiltag am 24.02.2024


Wir laden Sie herzlich zu unserem Sprachheiltag am 24.02.2024 ...

Freitag, 23 Juni 2023, 20:52

Sprachheiltag 2024 in Hannover

Liebe Mitglieder!

 

Nach langer Coronapause planen wir als dg...

Diskussionsbeiträge

zurück zur Übersicht




Sprachförderklassen in der Grundschule

Seit Anfang des Jahres 2011 beschäftigen wir uns auf verschiedenen Ebenen mit der geplanten Umstrukturierung im Bereich der Förderklassen Sprache sowie der Einführung des Regionalen Konzepts und plädieren für das duale System und die Freigabe des Elternwillens bei der Wahl des Förderortes für ihr Kind. Dabei beinhaltet unsere Schulform (Förderklassen Sprache angegliedert an eine Grundschule) bereits viele inklusive Elemente. Die Akzeptanz durch die Elternschaft ist dadurch, wie später auch in den Ergebnissen der Elternbefragung deutlich zu sehen ist, besonders hoch.

  • Grundschul- und Förderklassen sind räumlich in einem Gebäude untergebracht.
  • Förderklassenschüler und -lehrer nehmen an allen Schulveranstaltungen gemeinsam mit den Grundschulklassen teil (Schulfest, Lesemontage, Adventssingen, Jahreszeitenfeste, Sportfest, Lesewettbewerb, Schulwanderung, Theaterbesuche, Arbeitsgemeinschaften ab der 3. Klasse)
  • Zeitweise finden klassenübergreifende Projekte statt, an denen Grundschulkinder und Sprachförderkinder teilnehmen (Kunstprojekt, Comeniuspartnerschaft, klassenübergreifender Werkstattunterricht, Klasse-Wir singen)
  • Grundschullehrer unterrichten in den Förderklassen (z.B. Englisch, Vertretungsunterricht, Religion, Sport) und umgekehrt
  • Gemeinsame Pausen, Betreuungszeiten und Übermittagbetreuung
  • Teilintegration in einzelnen Unterrichtsfächern:
    Für Kinder, bei denen in Teillernbereichen grundschulentsprechende Leistungen festgestellt werden, besteht durch die Anbindung an die Grundschule die Möglichkeit einer fachbezogenen Teilintegration in die parallele Grundschulkooperationsklasse, mitunter auch eine probeweise Gesamtintegration. Dieses Prinzip hat sich dahingehend bewährt, dass in diesen Fällen bei einer Rückschulung eine Wiederholung der 2. oder 3. Grundschulklasse häufig nicht mehr erforderlich ist. Die teil-/bzw. gesamtintegrierten Schüler werden weiterhin durch den abgebenden Sprachförderlehrer sprachheilpädagogisch versorgt. Mit den aufnehmenden Klassenlehrern erfolgen begleitende Beratungs- und Informationsgespräche.
  • Die Kooperationsformen sollen im kommenden Schuljahr dahingehend erweitert werden, dass die 1. Klassen vorrangig im sozialen Bereich und eventuell im Musikunterricht, die 2. Klassen in den Bereichen Kunst und Sport Formen des gemeinsamen Unterrichts erproben wollen. Die 3. Klassen werden ab dem 2. Halbjahr gemischte Lerngruppen in den Fächern Religion, Musik und Sport bilden.
     

„Förderschulen mit spezifischen sonderpädagogischen Förderschwerpunkten sind sowohl Lernorte mit eigenen Bildungsangeboten als auch Kompetenz-/Förderzentren … mit sonderpädagogischen Angeboten in den allgemeinbildenden Schulen. Damit sind sie je nach Bedarf alternative oder ergänzende Lernorte.“
(Diskussionspapier der Kultusministerkonferenz für die Fachtagung der
Kultusministerkonferenz am 21./22.6.2010, Bremen)
 

Der Standort Heiligengeistschule Lüneburg bietet sich für ein Kompetenzzentrum Sprache an, in dem es ein Angebot für die Beschulung in einer Förderklasse Sprache bereithält als auch die Grundschulklassen im Regionalen Konzept unterstützen kann.

 

Der Besuch einer Förderklasse Sprache ist eine zeitlich befristete Maßnahme, die in den meisten Fällen zu einer vollständigen Integration und Teilhabe an der Gesellschaft führt (s. Untersuchung von Sallat/Spreer: „Exklusive Förderung ermöglicht Teilhabe“ in: Die Sprachheilarbeit 2/2011).

 
Nach Artikel 5, Abs. 4 der UN-Konvention sind „besondere Maßnahmen, die zur
Beschleunigung oder Herbeiführung der tatsächlichen Gleichberechtigung von
Menschen mit Behinderung erforderlich sind“, nicht als Diskriminierung anzusehen.


Für den Fall, dass es kein Angebot einer Beschulung in einer Förderklasse Sprache mehr gibt, müssten die Bedingungen im RK für Sprachentwicklungsverzögerte Kinder dahingehend geändert werden, dass die Klassenstärken verringert werden (max. 18 Schüler) und mindestens für die Fächer Deutsch, Sachunterricht und Mathematik eine Doppelbesetzung durch eine Grundschul- und eine Förderschullehrkraft mit dem Schwerpunkt Sprache obligatorisch ist. Bei schwer sprachentwicklungsverzögerten Kindern muss es auch weiterhin die Möglichkeit geben, sie zusätzlich einzeln oder in einer Kleingruppe außerhalb des Klassenunterrichts sprachlich zu fördern.

 

Im Folgenden stellen wir unsere bisherigen Aktivitäten und die Ergebnisse der Elternbefragung vor:

  • Februar 2011: Gemeinsame Dienstversammlung der Förderschullehrer der Heiligengeistschule mit den Mitarbeitern des Sprachheilkindergartens und einem Kollegen aus dem RK, gemeinsamer Beschluss: Durchführung einer Elternbefragung zum Thema Förderklassen Sprache bzw. inklusive Beschulung in der Grundschule
  • Februar 2011: Informationselternabend der Förderklassen Sprache zur geplanten Auflösung der Primarstufe/Einführung des RK
  • März 2011: Informationselternabend im Sprachheilkindergarten (mit Kollegen aus den Förderklassen Sprache und einem Kollegen aus dem RK)
  • März 2011: Ausgabe der Fragebögen an die Eltern
  • März 2011: Diskussion im Schulelternrat der Heiligengeistschule und Positionspapier des SER
  • Mai 2011: Unterschriftenaktion der Elternschaft des Sprachheilkindergartens zum Erhalt der Förderklassen Sprache, Unterschriftenaktion zum Erhalt der Förderklassen Sprache an der Heiligengeistschule geplant
  • Mai 2011: Auswertung der Elternbefragung im Sprachheilkindergarten und in den Sprachförderklassen

 

Auswertung der Elternbefragung im Sprachheilkindergarten und in den Sprachförderklassen

 
Der Elternfragebogen für den Sprachheilkindergarten beinhaltete Fragen zum
aktuellen Entwicklungsstand der Kinder aus Sicht der Eltern bzw. zum erwarteten Entwicklungsstand zum Zeitpunkt der Einschulung sowie Fragen zu den gewünschten Bedingungen für die Kinder mit Förderbedarf Sprache in der Schule. Darüber hinaus ging es um die Frage, ob die Eltern sich eine Einschulung in eine Grundschule unter den aktuellen Bedingungen des RK vorstellen können. Der Fragebogen für die Eltern der Sprachförderklassenschüler erhob ebenfalls zunächst die Entwicklung des Kindes aus Sicht der Eltern einmal zum Zeitpunkt der Einschulung und zum jetzigen Zeitpunkt während des Besuchs der Förderklasse Sprache. Weiterhin wurden die Eltern zu den Vor- und Nachteilen der Beschulung in einer Förderklasse Sprache befragt und um eine Stellungnahme gebeten, ob sie sich
zu den derzeitigen Bedingungen des RK hätten vorstellen können, ihr Kind in eine Grundschule einzuschulen oder welche Bedingungen dafür gegeben sein müssten.

 
Ergebnisse der Elternbefragung im Sprachheilkindergarten:
(Darstellung der Ergebnisse in absoluten Zahlen und Prozenten im Anhang.
Anm.: Die geringeren Schülerzahlen der Einschulungsjahrgänge 2012 und 2013
ergeben sich daraus, dass viele Kinder erst mit 5 Jahren in den Sprachheilkindergarten aufgenommen werden.)
50% der Sprachheilkindergartenkinder zeigen eine leichte oder schwere Sprachentwicklungsverzögerung und Verzögerungen in mehreren weiteren Entwicklungsbereichen. Selbst im Einschulungsjahrgang 2011 sind noch 10 Kinder in umfangreicher Form entwicklungsverzögert.
Zu den Bedingungen, die nach Ansicht der Eltern in den Schulen erfüllt sein müssen, gehören kleine Klassen, sprachförderpädagogische Betreuung und individuelle Betreuung und Förderung (teilweise auch ein langsameres Lerntempo). Nur 9 % der Eltern können sich eine Einschulung in eine Grundschule unter den aktuellen Bedingungen des RK vorstellen. 25% der Eltern haben Bedenken vorwiegend aus der Angst heraus, dass ihre Kinder in den großen Klassen untergehen würden und/oder durch Hänseleien zu Außenseitern würden. 50 % wollen ihre Kinder eher nicht oder sicher nicht in eine Grundschulklasse einschulen. Es wurden sogar Wohnortwechsel in Erwägung gezogen, um ein Kind in eine entsprechende Förderschule einschulen zu können.

 
Ergebnisse der Elternbefragung in den Förderklassen Sprache:
(Darstellung der Ergebnisse in absoluten Zahlen und Prozenten im Anhang).
87% der Sprachförderklassenkinder zeigten bei der Einschulung eine leichte oder schwere Sprachentwicklungsverzögerung und Verzögerungen in mehreren weiteren Entwicklungsbereichen.
Als Vorteile der Beschulung in einer Förderklasse Sprache werden v.a. kleine
Klassen, sprachförderpädagogische Betreuung, individuelle Betreuung und
Förderung und ein langsameres Lerntempo gesehen. 65,6% der Eltern geben an, dass sie in der Sprachförderklassenbeschulung keine Nachteile sehen.
15,2% geben die verringerten Möglichkeiten sozialer Kontakte ihrer Kinder als
Nachteil an.
12,5% sehen in dem verlangsamten Lerntempo und der meistens erforderlichen Wiederholung einer Klassenstufe beim Übergang in die Grundschule einen Nachteil.
9,3% sehen in den verlängerten Schulwegen einen Nachteil.
Aber auch diese Eltern waren bereit, die von ihnen genannten Nachteile in Kauf zu nehmen, um die Vorteile der Sprachförderklassenbeschulung für ihre Kinder zunutzen.
16,1% der Eltern hätten ihre Kinder ohne Bedenken in eine Grundschule mit RKBedingungen eingeschult.
16,1% hätten Bedenken gehabt, vorwiegend aus der Angst heraus, dass ihre Kinder in den großen Klassen nicht hinreichend gefördert werden können oder durch Hänseleien zu Außenseitern würden.
67,7 % hätten ihre Kinder eher nicht oder sicher nicht in eine Grundschule mit RK-Bedingungen eingeschult.

 

Diese Zahlen belegen deutlich, dass der überwiegende Teil der Eltern in den
Förderklassen Sprache den richtigen Förderort für ihr Kind sehen. Nach Meinung dieser Eltern besteht die Benachteiligung nicht in einer Sprachförderklassenbeschulung, sondern wäre durch eine Beschulung in einer Grundschule mit RK gegeben, da hier die angebotene Förderung nach ihrer Meinung nicht ausreichend wäre.

 

 
Heiligengeistschule Lüneburg, Mai 2011

 

Diesen Beitrag als pdf-Datei herunter laden

nach oben




Realität bei der Umsetzung der Inklusion

Eine Kollegin aus NRW schreibt an die dgs-Landesgruppe Niedersachsen:

 

Hallo,
mit großen Interesse habe ich Ihren Beitrag zur Umsetzung der Inklusion in Niedersachsen gelesen. Ich arbeite in NRW an einer Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Lernen und kann es nicht mehr mit ansehen, wie die Politik auf Kosten unserer Schüler die Inklusion umsetzt. Leider habe ich in NRW noch keine Stelle gefunden, die sich für die Schulwirklichkeit wirklich interessert. Die Medien zeigen auch kein wirkliches Interesse. Um Sie zu unterstützen, möchte ich Ihnen die Umsetzung von Inklusion vorstellen:

Ich arbeite seit 1979 als Sonderschullehrerin. In den letzten 20 Jahren an Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Meine Schule ist in NRW, eine Schule mit sehr guten Erfolgen bei der beruflichen Integration unserer Schüler. Seit Jahren arbeiten wir in Kooperation mit einer Hauptschule zusammen. Es wird Förderdiagnostik durchgeführt und in interativen Lerngruppen gearbeitet, Rücküberweisungen, bei Aussicht auf Erfolg, finden ebenfalls statt. Nun wird auch in unserem Land die Inklusion vorangetrieben. Grundsätzlich finde ich den Gedanken der gemeinsamen Beschulung, speziell für Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen, sehr gut. Allerdings nur, wenn die Bedingungen stimmen. Ich erfahre es im Moment so, dass hier auf Biegen oder Brechen der zweite vor dem ersten Schritt gemacht wird. Erst schicken wir mal die Kinder ins Regelschullsytem: ohne Konzept, ohne rechtliche Absicherung der Kollegen, ohne die entsprechende Fortbildung der Kolleginnen und Kollegen im “Normalschulsystem”, mit einigen Stündchen der Sonderschullehrer. Die Realität sieht so aus, dass es keine vernünftigen räumlichen, materiellen und personellen Voraussetzungen gibt, um die betroffenen Kinder angemessen zu fördern. Da sitzen geistig behinderte Kinder, die eigentlich im lebenspraktischen Bereich gefördert werden müssten, in einer Grundschulklasse und malen den ganzen Tag Hohlbuchstaben oder Zahlen nach, weil die erforderlichen Therapie- und Unterrichtsräume gar nicht vorhanden sind und die Sonderschullehrer nur gelegentlich für sie da sind. Ist das individuelle Förderung? Hyperaktive, lernschwache Kinder, die enorm den Unterricht stören, bringen die Grundschulkollegen an den Rand der Belastbarkeit. Die gelegenliche Anwesenheit der Förderschulkollegen bringt nur wenig Hilfe. Gefördert wird in dunklen, fensterlosen Räumen oder auf dem Flur, weil keine Förderräume vorhanden sind. Der Erziehungsauftrag unseres Berufes bleibt hier vollkommen auf der Strecke. Die Erfolge unserer Arbeit beruhen zum großen Teil auf unserer erzieherischen Bemühungen in Kooperation mit vielen anderen Instiutionen. Wie kann ich im integrativen Unterricht Talente und Stärken fördern? Viele unserer Schüler sind bei uns regelrecht aufgeblüht, haben Verantwortung übernommen, sind viel selbstbewusster geworden. Sie wären im “Normalschulsystem” durch´s Netz gefallen. Inklusion ja, aber nicht zum Nulltarif und nicht auf Kosten der Städte und Gemeinden. Erst die Voraussetzungen schaffen und dann erst das Schulsystem verändern. Dann gibt es da noch eine andere Seite der Medaille. Was mutet man hier den Sonderschullehrern, spezielle auf dem Lande, zu? Fahrt schön mit dem eigenen PKW zum “Inkludieren”, auch in 30 km entfernte Orte. Wenn ihr einen Unfall auf dem Weg dahin habt, dann müsst ihr die Kosten, die dadurch entstehen, selbst tragen. Ihr könnt euch aber auch auf eigene Kosten dagegen versichern. Die Fahrtzeit wird euch natürlich nicht als Arbeitszeit angerechnet. Das könnt ihr schön in euren Pausen beim Pendeln zwischen der Stamm- und Inkulsionsschule verbringen. Pausen braucht ihr ja nicht, ihr könnt euch ja beim Fahren erholen. Alle diese Probleme sind vorhanden und nicht geregelt. Da gibt es einen neuen Studiengang ” Entwicklung und Inklusion” an der Uni Siegen. Angedachte Arbeitsorte sind u.a. Grund- und Hauptschulen. Werden wir und unser KNOW HOW überfüssig? Machen die anderen, neuen Kollegen, die Arbeit zu einem kleineren Gehalt? Das Problem der Diskriminierung ist bei Förderschülern zweifellos vorhanden. Wird sie aber durch Inklusion abgeschafft? Werden diese Schüler nicht auch hier vielleicht noch mehr ausgegrenzt? Wird diesen Schülern auch so eine hervorragende Berufsvorbereitung angeboten?

Alle diese Probleme gehen mir in letzter Zeit oft durch den Kopf. Ich sehe unser Kollegium, dass zum Wohl der Kinder unserer Schule, den Spagat vollbringt, die Standards an unsere Schule zu halten und gleichzeitig, die von oben verordnete Inklusion zu verwirklichen. Das bedeutet Konzepte entwicklen, da keine vorhanden, an beiden Schulen an Konferenzen und Teambesprechungen teilnehmen, für Material zu sorgen usw. Ausgeschriebene Stellen für Sonderschullehrer bleiben unbesetzt, weil keine Kollegen auf dem “Markt” sind. Seiteneinsteiger werden eingestellt, die weder testen noch abgeordnet werden dürfen. Sie können studieren, ja, aber auf Kosten des Stundenkontingents der Schule. Leider wird im Moment kein Aufbaustudium an den UNIs durchgeführt. Also wieder nichts. Unser enorm hohes Engagemant bekommt langsam Risse, weil die Vielfalt der Aufgaben eigentlich nicht zu bewältigen ist, wenn man seinen Beruf liebt und ernst nimmt.

Inklusion zum Nulltarif ist nicht zu haben. Sie kostet viel, viel Geld und benötigt viel Personal. Warum besetzt man nicht alle Klassen mit Förderschullehrern doppelt, schafft die benötigten räumlichen Voraussetzungen, baut Barrieren ab, bildet entsprechend aus und fort? Das alles in Kooperation und unter Einbeziehung des KNOW HOWS der Förderschullehrer. Dann wäre der Traum von Inklusion vielleicht machbar. Sicher nicht von heute auf morgen, aber auf lange Sicht vielleicht. Was hier im Moment statt findet ist reine Augenwischerei, die keinem etwas nützt: Nicht den Kindern mit Förderbedarf, nicht den “Normalschülern”, die auch ein Recht auf Bildung und Förderung haben. Bildung ist teuer und muss sich nicht im wirtschaflichen Sinne rechnen.

 

Armes Deutschland

 

Ich wünsche Ihnen mehr Erfolg dabei, die Politik und die Öffentlichkeit von den wirklichen Bedingungen an unseren Schulen zu informieren und dazu beizutragen, dass diese endlich verbesssert werden.

nach oben




Ein Appell aus der Elternschaft


Wie in letzter Zeit in den Medien häufiger berichtet wurde, sollen zum nächsten Schuljahr, also  2012 - 2013, die Förderschulen Lernen - Sprache geschlossen und die Kinder ausschließlich inklusiv beschult werden. Wir, die Elternvertreter der Elisabethschule (Schwerpunkt Sprache) Vechta, haben an unserer Schule im Dezember die Elternschaft über die geplante Inklusion informiert und baten um Rückmeldung. Von 77 angeschriebenen Eltern gaben uns 70(!!) eine Rückmeldung. Alle plädieren für den Erhalt der Förderklassen mit dem Schwerpunkt Sprache - auch für zukünftige Schülergenerationen.

Wir denken, dieses Ergebnis spricht für sich!!!  Deshalb müssen wir für den Erhalt unserer Schule kämpfen!!!  Einfach, weil wir nicht glauben können, dass unsere Kinder in der Regelgrundschule  so gefördert werden, wie es in der Sprachheilschule möglich ist. Es kann und darf einfach nicht sein, dass Politiker in so kurzer Zeit „etwas übers Knie brechen“, was so nicht funktionieren kann. Denn es sind noch nicht einmal ernsthafte Rahmenbedingungen für die inklusive Beschulung geschaffen worden!!!!

Vorgesehen sind bis jetzt 2 Förderstunden pro Kind pro Woche. Dies ist ein „Witz“  im Vergleich zu den 25 Förderstunden in der Woche, die in den Sprachheilklassen angeboten werden! Denn hier werden unsere Kinder in jeder(!!!!) Unterrichtsstunde in kleinen Lerngruppen (etwa 10 Schüler) gefördert, sei es in Mathematik, Sachunterricht, in Kunst, in Werken usw., denn in jeder  Stunde ist der entsprechende Lehrer da, der immer darauf achtet, dass die Kinder sich richtig ausdrücken und entsprechend gefördert werden.
 Noch vor ein paar Jahren sagte Dr. Peter Wachtel (Referent für sonderpädagogische Fragen im Kultusministerium Hannover), dass das vielfältige Förderangebot der Schulen in Niedersachsen erhalten bleiben müsse. Jetzt meint er, dass das „Chaos der Förderschulen“ in Niedersachsen abgeschafft werden müsse. Dies ist unseres Erachtens eine seltsame Meinungsänderung. Ein gut  funktionierendes System soll abgeschafft werden! Warum?
Letztendlich wahrscheinlich um Geld einzusparen, was auf lange Sicht aber nicht funktionieren kann. Denn der Förderbedarf der Kinder bleibt. Wer soll also zahlen?
Etwa die Krankenkassen für den erhöhten Bedarf an Sprachtherapien, der dann anfällt? Die Kassen sind doch schon lange leer!!
Vermutlich wird dann die Messlatte für einen Förderbedarf Sprache einfach höher gehängt. Das würde dann bedeuten, dass ein Kind, das 2010 noch einen Förderbedarf hatte, 2013 plötzlich keinen Förderbedarf mehr hat.
Gut und schön, aber wie geht es dann weiter?
Bekommt das Kind seinen Schulabschluss?  Kann es eine Berufsausbildung machen, die auch ein menschenwürdiges Einkommen sichert?
Darauf gibt uns niemand eine Antwort. Die kann es auch nicht geben, denn keiner sagt, wie es laufen soll.
Das Gesetz wird erst nach der Wahl verabschiedet. Warum das wohl so ist?
Lasst uns nicht warten,  bis das Kind (unsere Kinder) „in den Brunnen gefallen ist“ (sind) – so wie in Bremen und in anderen Bundesländern, in denen die Inklusion schon gestartet ist!  Denn dort hat man jetzt plötzlich doch festgestellt, dass die Inklusion nicht für alle Kinder geeignet ist. Aber wohin mit diesen Kindern? Die Förderschulen sind dort  ja leider geschlossen!!!

Wichtig ist der Erhalt der Pluralität der möglichen Förderangebote für Kinder und Jugendliche mit sprachlicher Beeinträchtigung!
Man versichert uns zwar, dass mit der Einführung der Inklusion die Wahlmöglichkeit  erhalten bleiben soll, jedoch erst, nachdem die Förderschulen schon geschlossen worden sind. Ein sehr schlechter Witz!! Denn was kann nach einer Abschaffung gewählt werden?
Dann kam ja noch die „nette“ Aussage von einem Politiker aus Hannover, der meinte: „Ach, dann fördern wir eben nach der fünften Klasse.“  Was soll das denn? Mein Kind hätte dann schon seinen Mund vier Jahre lang nicht mehr aufgemacht, u. a. weil andere es ausgelacht hätten oder zu ihm gesagt hätten, es könne nicht richtig sprechen, es sei dumm. Danach würde mein Kind  nicht mehr einen Förderunterricht sondern vermutlich einen Psychologen benötigen!!
Vielleicht werden demnächst private Sprachheilschulen aufgemacht, die sich dann aber wieder nur die leisten können, die über das nötige „Kleingeld“ verfügen, aber bestimmt nicht diejenigen, die wirklich Hilfe brauchen. 

Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand!! So kann es nicht funktionieren!!!
Steht auf und sagt Eure Meinung, denn dieses Thema betrifft jeden: Jede Familie und all diejenigen sind angesprochen, die noch Kinder haben möchten!!


Wir haben uns mit anderen Förderschulen in Verbindung gesetzt und ihnen unsere Unterlagen zur Verfügung gestellt. Nun sind auch dort ähnliche Initiativen gestartet worden. Wir haben die Politiker in unserer Region angesprochen. Auch von unserem Landtagsabgeordneten in Hannover  bekommen wir mittlerweile  Unterstützung

Unsere Schreiben kann man bei der Deutschen Gesellschaft für Sprachheilpädagogik ev. Landesgruppe Niedersachsen  http://www.dgs-ev.de/niedersachsen   herunterladen.
Dort findet man  auch ein Diskussionsforum über dieses Thema.

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir noch mehr Menschen für dieses Thema sensibilisieren können.
 
 

Martina Thomas und Marita Hackmann
Elternvertreterinnen der Sprachheilklassen
Elisabethschule Vechta

nach oben




Inklusion, aber bitte ja!

Andreas Pohl, Förderschulrektor in der Region Hannover schreibt:

 

Ich stelle mir vor, dass ich morgens in "meine" Schule, ein freundliches, Licht durchflutetes Gebäude, fahre. Es sind auch schon erste Schüler da, die auf dem Schulhof spielen, andere befinden sich im Gebäude und stöbern in der Lern- und Spielecke ihrer Klasse. Alle sind fröhlich. Die Kollegin, die die Frühaufsicht hat, begrüßt mich und wir reden über dies und das. Nach und nach kommen die restlichen Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte. Es klingelt und der Unterricht beginnt. In den Klassenräumen gibt es Lern- und Bücherecken, hier und da ein elektronisches Whiteboard, Computer und viele Lernmaterialien. In den Klassenräumen und auf den Fluren herrscht emsiges Treiben. Wochenplan- und Projektarbeit sowie Jahrgangsübergreifender Unterricht sind selbstverständlich wichtige Methoden. So vergeht der Tag bis zum frühen Nachmittag, dann leert sich die Schule, zunächst gehen die Schülerinnen und Schüler, dann deutlich später auch die Lehrkräfte, die in der Schule ihren kommenden Arbeitstag noch vorbereitet haben.
In dieser Schule werden Kinder unterrichtet, die sich jedes Einzelne deutlich von einander unterscheiden. Da sind Kinder, die manchmal zornig sind und deshalb auch anderen Kindern Leid zufügen können, da sind Kinder, die noch nicht richtig lesen können, da sind Kinder, die fröhlich auf jeden zugehen und wenig Distanz beweisen, da sind Kinder, die immer ihre Hausaufgaben haben und vieles wissen, da sind Kinder, die in Sport, Werken oder Kunst Spitze sind, aber in Mathematik oder Deutsch viele Fehler machen, eben Kinder! Kinder, die viel reden, wenig reden, feinmotorisch geschickt sind oder auch nicht, da sind Kinder, die liebevolle Eltern haben und Kinder, die froh sind, wenn sie ein Frühstück dabei haben. Eben auch Kinder mit Nöten! Kinder mit Erfahrungen, die manchen Erwachsenen erstarren ließen und Kinder, die immer noch an den Osterhasen glauben. Kinder in ihrer unendlichen Vielfalt und manchmal mit sehr schwierigen Bedingungen. Da sind auch Kinder mit Sprechproblemen, Lernproblemen, Verhaltensproblemen, mit Problemen in der geistigen und körperlichen Entwicklung, mit dem Hören oder Sehen oder einfach nur der Kultur, weil ihre Eltern nur wenig Deutsch sprechen, nicht Weihnachten feiern oder einer anderen Religion angehören. Alle diese Kinder sind da in dieser Schule. Aber auch Kinder mit kleinen Problemen, die manchmal riesengroß sind oder Kinder, die anderen Kindern helfen und zuhören können.
Und es gibt Lehrkräfte, die Zeit haben zum Zuhören, zum Helfen, zum Reden mit Eltern, zum Reden mit Kindern, die sich Gedanken machen und viele Lernwege anbieten, die helfen und nicht nur reden, die jedes Kind als Individuum betrachten, nicht als Wissensspeicher und das Potenzial in jedem Kind sehen. Lehrkräfte, die geduldig sind und sich jede erdenkliche Mühe geben, um jedem einzelnen Kind zu helfen. Lehrkräfte, die sich in ihrer Schule wohl fühlen, die nicht gehetzt sind und auch Zeit füreinander haben.

Das und vieles mehr ist für mich Inklusion. Diese Schule kann Grundschule, Oberschule und Gymnasium sein, vielleicht Gesamtschule? Es ist noch in vielerlei Hinsicht eine Wunschschule, obwohl ich glaube, dass es solche Schulen auch schon gibt. Vielleicht noch nicht perfekt, aber es gibt sie hier und da in Ansätzen schon. Wie gesagt, solche Schulen sollten aber alle Schulen sein. In jeder Grund- oder Oberschule, in jedem Gymnasium oder in jeder Gesamtschule sollte dies für alle Lehrkräfte wichtigstes Ziel sein: Jedes Kind ist einzigartig! Es gibt für jedes Kind einen Weg zum Erfolg.

Wenn dies erreicht ist, ist Inklusion erreicht. Jede Schule muss deshalb alle Möglichkeiten ausschöpfen, aber auch alle Möglichkeiten und Unterstützung geboten bekommen. Es fängt bei jeder einzelnen Lehrkraft und jeder Schule an. Aber eine Landesregierung, ein Kultusministerium und eine Landesschulbehörde müssen dafür auch gelingende Bedingungen schaffen, realistische Lösungen für Probleme finden und dabei kein Kind aus dem Blickfeld verlieren.

 

Niedersachsen wählt die sonderpädagogische Grundversorgung!

 

                                                Schade!!!

nach oben



Bericht einer Lehrkraft aus Niedersachsen

Die Kollegin ist eine Förderschullehrerin und Beratungslehrkraft, die hier namentlich nicht genannt werden möchte! Ihre Veröffentlichung ist ein persönlicher Beitrag zur Diskussion und mit der Redaktion in dieser Weise abgesprochen.


Inklusion – Chance oder Stolperstein für Grund- und Förderschulen

 

Ich arbeite in Niedersachsen in einer Außenstellenklasse 1/2 einer Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen.
Im Zuge der Inklusion stehe ich demnächst wohl vor einer beruflichen Neuorientierung. Damit bin ich ab dem Schuljahr 2012/2013 - wie alle Grundschullehrkräfte auch - sehr wahrscheinlich von einer einschneidenden beruflichen Veränderung betroffen.
Alle Kinder werden in die Grundschule eingeschult. Eingangsklassen im Förderschulbereich wird es nicht mehr geben. Meinen Beruf als Klassenlehrerin in einer Förderschulklasse im Primarstufenbereich wird es bald wohl nicht mehr geben.
Ebenso werden alle Grundschullehrkräfte mit vielen zusätzlichen und völlig neuen Aufgabengebieten konfrontiert werden.

Ich würde mich gerne vorbereiten – aber auf was genau kann ich mich vorbereiten?

 
Zurzeit erhalte ich von keiner Stelle nähere Informationen.
Es drängt sich bei mir der Gedanke auf, dass wir, die betroffenen Grund- und Förderschullehrkräfte vielleicht bewusst nicht informiert werden, um nicht Stellung zu bereits geplanten Veränderungen beziehen zu können.
Sozusagen keine Teilhabe der Personen, die die einschneidenden Veränderungen im Schulsystem umsetzen dürfen.

So wie ich die Entwicklung verfolgt habe, müsste ich wohl mit der flächendeckenden Einführung der sonderpädagogischen Grundversorgung rechnen.

Wie ich es drehe und wende, mit diesem Modell der sonderpädagogischen Grundversorgung kann ich als Förderschullehrerin meines Erachtens pädagogisch nicht sinnvoll arbeiten und habe große Bedenken, wie sich die Umsetzung dieses Modells auf alle Lehrkräfte und Schüler auswirken wird

Damit es nicht zu Missverständnissen kommt; ich kann mit meinen eigenen beruflichen Erfahrungen an dieser Stelle und in dieser Stellungnahme nur über die Arbeit mit Schülerinnen und Schüler mit einem vorrangigem Förderbedarf im Bereich Lernen sprechen. Ich verfüge über keine Berufserfahrung mit speziellen Förderbedürfnissen in anderen Schwerpunkten.

Die Zeit, die ich jetzt gezielt für die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit einem Förderbedarf im Bereich Lernen verwenden kann, wird in kräfteraubende Fahrzeiten, in Stundenüberschneidungen mit den anderen Schulen, dem ständigen "Updaten" über die aktuelle Situation in der Klasse und des Kindes, in Fördermaterialorganisationsschlachten, in fehlerhaften Organisationsstrukturen („Oh, wir haben dich vergessen“; „heute ist ein Ausflug“, „eine Klassenfahrt“, „das Projekt x, y, z“, „die Feier x, y, z“, „ein Sportfest“, „eine Weihnachtsfeier“, „ein Basteltag“, „der Schulzahnarzt kommt“, oder „der betreffende Schüler fehlt ja heute“) und in unzähligen Gesprächen mit Lehrkräften und Schülern, die eigentlich nicht zu meinem Aufgabenbereich gehören, verloren gehen.

 

Unsere Grundschulen sind in der Regel einzügig und durch die ländliche Region weit verstreut, so dass unsere Außenstelle von Schülerinnen und Schülern aus insgesamt 7 Grundschulstandorten besucht wird.
Jetzt unterrichte ich als Klassenlehrerin eine kombinierte Förderschulklasse 1/2 im Bereich Lernen mit 9 Schülerinnen und Schülern, mein Kollege unterrichtet eine kombinierte Förderschulklasse 3/4 im Bereich Lernen mit ebenfalls mit 9 Schülerinnen und Schülern.

Im Rahmen der Grundversorgung müsste ich mit einer vollen Stelle mindestens drei Grundschulen sonderpädagogisch versorgen? Mein Kollege würde die anderen drei Grundschulen sonderpädagogisch versorgen. Die siebte Grundschule betreuen wir mit drei Förderschullehrkräften – ich habe noch 2,5 Stunden, mein Kollege hat noch 2,5 Stunden und die übrigen 7 Stunden kommen ein oder zwei andere Kollegen, die noch einen Leerraum in ihrem Stundenkontingent haben.

 
Vielleicht wäre es für mich auch interessant als motivierte Deutschlehrerin in 6 Schulen die Deutschförderung abdecken, dann könnte mein Kollege in 6 Schulen die gerne erteilte Mathematikförderung übernehmen und für die restlichen Stunden suchen wir noch einen Kollegen des Förderzentrums, der passgenau die restlichen Stunden abdecken kann.

Für mich wären das drei (oder bei der Wahl der Deutschförderung sechs) Standorte mit insgesamt 12 (24) Grundschulklassen. Da in den meisten Klassen mehrere Lehrkräfte unterrichten (meistens 3 bis 4 Personen),
hätte ich 48 (96) Lehrkräfte als Inklusionspartner für die Schülerinnen und Schüler und dazu kämen noch die 24 (48) pädagogische Mitarbeiter aus der Betreuungszeit.
Also gibt es für mich insgesamt pro Woche mindestens 72 (144) Ansprechpartner, die mit den Schülerinnen und Schülern pädagogisch in der Schule arbeiten.
Dazu kommen ggf. die begleitenden außerschulischen Therapeuten und nicht zu vergessen die Eltern.
An jedem Standort gibt es ca. 100 Schülerinnen und Schüler, so dass ich, da ich ja in jeder Klasse eingesetzt werde insgesamt pro Woche mit 300 (600) Schülerinnen und Schülern zu tun habe, da sie ja alle Klassenkameraden sind, zur Inklusion dazugehören und lernen sollen, wie man gemeinsam mit Unterschieden lernt. Diese Anzahl von Lehrkräften, Betreuungskräften und Schülern kann ich aufgrund meiner Arbeitsbedingungen gar nicht wahrnehmen. Systemisch betrachtet gehören sie alle zusammen aber zu dem, was den täglichen Schulalltag ausmacht.

 

Mit meiner Stammschule gibt es dann an insgesamt 4 oder 7 Schulen Gesamtkonferenzen und Dienstbesprechungen und weitere Kolleginnen und Kollegen, mit denen Absprachen getroffen werden müssen.

Ich frage mich, wann und wie ich mich mit den Kolleginnen und Kollegen die gemeinsame Zusammenarbeit absprechen soll?

Wie komme ich bei Entfernungen von bis zu 15 bis 20 km besonders im Winter pünktlich von Schule zu Schule?

 
Wie werden die Stundenpläne von drei (sechs) Schulen koordiniert? Oder ist es auch okay, inklusiv Sport zu betreiben? Vermutlich werde ich ja eher in Mathematik oder Deutsch gewünscht? In Pausenzeiten kann ich keine Aufsicht übernehmen und keine Gespräche mit Schülerinnen und Schülern führen, da ich meine Fördermaterialien schnell einpacken und weiterfahren muss. Gespräche mit den Grundschullehrkräften werden schwierig, da diese die Aufsichten übernehmen müssen, bzw. ihren Stundenüberhang an anderen Schulen ableisten oder Sprachförderstunden im Kindergarten erteilen.

Mit meinem Studium und meiner zwölfjährigen Berufspraxis bin ich durch viel Engagement und Weiterbildung jetzt eine gute Förderschullehrerin und Klassenlehrerin im Bereich Lernen von Klasse 1-4.
Ich bin keine Expertin, die in Schulen herumreist und pro Woche vielleicht 72 (144) Erwachsene und 300 (600) Schulkinder an drei (sechs) Standorten im Blick behält und bei diesen Rahmenbedingungen eine besondere Verantwortung für Schüler und Schülerinnen mit besonderem Förderbedarf in den Bereichen Sprache, Lernen, Geistige Entwicklung, Sozial-Emotionaler Bereich etc. übernehmen kann.

 
Ich frage mich, ob es Menschen, die diese Aufgabe gut bewältigen können, überhaupt gibt.
Was mache ich mit Schülern, die in anderen Förderschwerpunkten als im Bereich Lernen eine besondere Förderung benötigen? Was mache ich mit Grundschullehrkräften, denen es schwer fällt, den neuen beruflichen Ansprüchen gerecht zu werden? Wie gehe ich mit dem Beruf um, um in noch viele Jahre gut ausüben zu können?


Was passiert in den 2 Stunden pro Klasse?
Sitze ich neben einem oder zwei Schülern und schaue, was die Lehrkraft macht?
Sitze ich in einem kleinen Förderraum, wo ich einmal pro Woche zwei Stunden mit bestimmten Kindern der Klasse arbeite? Oder ist es im Rahmen der Förderung sinnvoller, zweimal wöchentlich für jeweils eine Stunde in einer Klasse zu arbeiten.

Die Außenstelle der Förderschule, an der ich arbeite, besteht seit 35 Jahren!
Unsere Schülerinnen und Schüler werden in den Klassen 1/2 (9 Schülerinnen und Schüler) und 3/4 (9 Schülerinnen und Schüler) unterrichtet.
Beide Klassen haben eine Klassenlehrkraft, die einen engen Bezug zu den Schülerinnen und Schülern sicherstellt und täglich den ganzen Vormittag über passgenaue Lernfortschritte gestaltet.
Die Klassenlehrkräfte bündeln ihre Energien für den Unterricht in der Klasse und verlieren sie nicht in einem riesigen Einsatzgebiet mit vielen Systemen und Schulen, mit Fahrzeiten und zahllosen Absprachen und Koordinierungsarbeiten mit Lehrkräften und Schülern.
Auch wir differenzieren unseren Unterricht, allerdings ist die Spanne bei Weitem nicht so hoch, wie sie in einer inklusiven Grundschulklasse erforderlich wäre.

Unsere Schülerinnen und Schüler haben einen sicheren und geschützten Raum, um Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen. Am Ende der 4. Klasse verfügen die meisten Schülerinnen und Schüler der Förderschule im Schnitt über die Lerninhalte, die Grundschüler bereits nach 2 Jahren gut beherrschen.

Wo es möglich ist, fördern wir die Zusammenarbeit mit der Grundschule, so dass unsere Schülerinnen und Schüler dort, wo es für sie und auch für die Grundschüler passt, ein gemeinsames inklusives Schulleben leben, und dort, wo es nicht geht, ihren geschützten Rahmen haben – ebenso wie die Grundschulkinder.

Dieses System lebt jedoch von einer bestimmten Größe und Organisationsform! Wir sind auf 2 Lerngruppen angewiesen, da sich kombinierte Klassen für ein sinnvolles Arbeiten höchstens über 2 Jahrgänge erstrecken dürfen und für beide Lerngruppen ein Förderschullehrer als Klassenlehrer zur Verfügung stehen muss.

Minifördergruppen an Grundschulen können dieses System deshalb keinesfalls ersetzen.


Ich arbeite jetzt  mit jedem Schüler meiner Klasse 20 Stunden pro Woche und sehe jedes Kind täglich und kann seine Entwicklung täglich verfolgen. Ich bin am Morgen bereits vor dem Unterrichtsbeginn da, um Zeit für erste Gespräche zu haben. Ggf. stehe ich auch in den Pausen und am Mittag am Bus zur Verfügung, wenn es Schwierigkeiten gegeben hat.
Aufgrund der Rückmeldungen in den Unterrichts- und Erziehungsprozessen, kann ich sofort reagieren und ggf. steuernd eingreifen.
Ich bemerke kleinste Lernfortschritte und Erfolge sofort und kann motivierend loben, ebenso kann ich bei Stagnation und Rückschritten regulierend eingreifen.
Durch die Tätigkeit als Klassenlehrerin kann ich eine Klassengemeinschaft formen und das Sozial- und Arbeitsverhalten der Schülergruppe steuern.
Alle notwendigen vielfältigen differenzierenden Arbeitsmaterialien stehen mir in meinem Klassenraum jederzeit zur Verfügung.
Meinen Kollegen, der die Klasse 3/4 unterrichtet und andere Ausbildungsschwerpunkte verfolgt hat, kann ich jederzeit um Rat fragen. Wir kennen alle Schülerinnen und Schüler beider Lerngruppen und können uns bei sonderpädagogischen Fragestellungen jederzeit austauschen.

Die Schulinspektion hat unserer Schule im November 2010 eine sehr gute Arbeit bestätigt, so dass wir uns fragen, warum eine mit sehr gut bewertete Schule aufgelöst werden soll.


Wie sieht die Zusammenarbeit mit der Klassenlehrkraft der Grundschule im Rahmen der Inklusion aus?
Was soll ich mit den 1 oder 2 Stunden Förderung pro Klasse genau machen? Bin ich für alle Kinder zuständig?
Bin ich für die Kinder zuständig, die in den Augen des Klassenlehrers meiner Unterstützung bedürfen?
Darf ich über die von mir zu fördernden Kinder selber entscheiden? Wie reagieren die Mitschülerinnen und Mitschüler auf besondere Hilfestellungen für einzelne Kinder?
Wie sieht die Zusammenarbeit mit der Lehrkraft aus? Wann und wo erfolgt die Zusammenarbeit?
Wie soll die Zusammenarbeit mit 1 oder 2 Stunden pro Woche wachsen. Ich weiß nicht, was bei den pädagogischen und erzieherischen Prozessen mit den Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften im Verlaufe der Woche passiert ist? Wann soll mir die Lehrkraft/der Schüler/die Schülerin darüber berichten?


Wie kann für Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf im Schwerpunkt Lernen die richtige Lernumgebung geschaffen werden?
Viele meiner Schülerinnen und Schüler kennt eine Grundschullehrkraft nicht, weil diese Schülerinnen und Schüler bereits bei der Einschulung nicht in der Lage sind, dem Unterricht einer durchschnittlichen Grundschulklasse zu folgen und bereits gleich in eine Schule mit dem Schwerpunkt Lernen eingeschult werden.
Viele Schülerinnen und Schüler reagieren auf Lernschwierigkeiten mit erheblichen Verhaltensstörungen, die den Unterricht, die Lehrkräfte, die Schüler und die Pausen erheblich belasten.
Oder die Schülerinnen und Schüler reagieren mit Rückzug und entwickeln eher Krankheiten mit autoaggressiven oder depressiven Schwerpunkten.

Meine Schülerinnen und Schülern haben in der Regel einen sehr geringen Wortschatz.
Viele sprechen Einwortsätze, sie brauchen ein drei- bis viermaliges Wiederholen von vereinfachten Arbeitsaufträgen mit maximal 2 Schritten.
Sie sprechen so leise, dass Mitschüler sie nur verstehen, wenn sie sich sehr leise verhalten. Mehrere Schüler hören nicht gut, so dass ich mit diesen sehr laut und besonders langsam sprechen muss.
Selbstständiges Arbeiten nach Wochenplan ist in der Klasse 1/2 nicht möglich, da meine Schülerinnen und Schüler erst mühsam verschiedene einfache Arbeitsformen erlernen müssen. Vielfältige Arbeitsformen, Partner- und Gruppenarbeit, häufige Methodenwechsel und variierende Aufgabenstellungen sind für viele Grundschülerinnen und Grundschüler in ihrer schulischen Entwicklung sehr wichtig, meine Schülerinnen und Schüler werden hiermit massiv überfordert.
Hausaufgaben können sie meine Schüler meistens nicht merken, so dass ich sie deshalb täglich persönlich ins Mitteilungsheft schreibe.

Also wird der Klassenlehrer gefordert sein, seinen Wortschatz zu reduzieren - die Mitschüler müssen sich bitte auch einfach ausdrücken!
Arbeitsaufgaben müssen einfacher Struktur sein.
Meine Schülerinnen und Schüler können sich nur in einer leisen Umgebung konzentrieren und brauchen sehr viel Übung (1 bis 2 Schuljahre), bis sie sich selber ruhig verhalten können.
Also bitte für größtmögliche Ruhe sorgen.
Ihre Konzentrationsfähigkeit ist gering.
Also häufiger Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung.
Meine Schüler brauchen bei täglicher intensiver Förderung in einer sehr kleinen Lerngruppe ca. anderthalb bis zwei Schuljahre bis sie erste einfache Wörter lesen können.
Sie brauchen bei täglicher intensiver Förderung in einer sehr kleinen Lerngruppe anderthalb bis zwei Schuljahre, bis sie bis 20 abzählend rechnen können.
Am Ende der Klasse 4 sind sie knapp dort, wo Schüler der Grundschule Ende Klasse 2 sind.
Meine Schüler, die lesen können, verstehen aufgrund des Umfanges und der Sprache Lesetexte der Grundschule nicht. Vorgelesenen Texten können sie die Informationen aufgrund der Darbietungsgeschwindigkeit, der Satzlänge und des Wortschatzes nicht folgen. Das Lerntempo ist zu schnell, so dass sich die Lernrückstände im Vergleich zu den anderen schneller lernenden Grundschülern täglich weiter erhöhen.
Auch Texte in Sachunterricht und Religion übersteigen ihre Fähigkeiten bei Weitem.
Liedertexte sind zu umfangreich und werden zu schnell für meine Schüler gesungen.
Oft fehlen meinen Schülern die Unterrichtsmaterialien, also bitte immer Ersatzmaterialien dabei haben!
Spiele im Sportunterricht verstehen sie sehr langsam und brauchen viel Hilfe!

Passende Unterrichts- und Lehrwerke gibt es für unsere Schülerinnen und Schüler bereits im Förderschulbereich nicht. Welche Bücher bekommen sie, wenn sie inklusiv unterrichtet werden?
Die Schulbücher der Grundschule überfordern unsere Schülerinnen und Schüler massiv.
Mit welchen Materialien sollen diese Schülerinnen und Schüler lernen?
Ich erstelle eine Vielzahl von Arbeitsmaterialien passgenau für meinen Unterricht selbst und habe einen umfassenden Materialfundus.
Wie soll hier eine passgenaue Abstimmung mit dem Lernmaterialien der Grundschule erfolgen? Da ich aufgrund es fehlenden Einblickes (zu kurze Unterrichtszeit in den einzelnen Klassen) nicht für 12 oder 24 Klassen die wöchentlich erforderlichen Unterrichtsmaterialien und Arbeitsblätter für alle Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf erstellen kann, muss diese Vorbereitung von Arbeitsmaterialien sehr zeitintensiv von der Grundschullehrkraft erfolgen.
Dürfen Schülerinnen und Schüler mit einem Förderbedarf im Bereich Lernen, lernzieldifferent unterrichtet werden, oder gefährden sie bei den Vergleichsarbeiten den Notenschnitt und müssen dann für mich diskriminierende, weil nicht leistbare Aufgabenstellungen bearbeiten? Wo ist dann die Grenze zwischen Schülern mit Förderbedarf und anderem Bewertungssystem und schwachem Grundschüler, der eben Pech gehabt hat?


Ich weiß, dass theoretisch alle Grundschullehrkräfte mit der entsprechenden Berufserfahrung ihr Lernangebot auf Schüler mit Förderbedarf im Bereich Lernen umstellen können.
Alle Grundschullehrkräfte könnten diese Schülerinnen und Schüler fördern - wenn es nicht zeitgleich 20 oder 25 andere Schülerinnen und Schüler gäbe, die vollkommen andere Bedürfnisse haben.
Die Grundschullehrkraft wird - ebenso wie die Förderschullehrkraft – meiner Ansicht nach auch bei bester Motivation und Ausbildung von diesen Rahmenbedingungen einfach überfordert sein.
Wie stehe ich da, wenn ich Grundschullehrkräften sinnvolle Fördermöglichkeiten für Schüler mit Förderbedarf empfehle, die diese aufgrund des Curriculums für die übrigen Schülerinnen und Schüler gar nicht mehr umsetzen können, da ihnen Zeit und Ruhe fehlt. 
Es kann nicht meine Aufgabe sein, Arbeiten an andere Lehrkräfte zu delegieren, weil mir mit den 1 oder 2 Stunden pro Klasse die Zeit fehlt, diese Aufgaben und Arbeiten selbst durchzuführen.
Viele engagierte Grundschulkollegen leiden bereits jetzt daran, dass sie bereits jetzt schon nicht dem Förderansprüchen der Grundschülerinnen und Grundschüler nachkommen können. Wie soll es da werden von noch Schülerinnen und Schüler mit einem erheblich höherem Förderbedarf dazukommen.
Wie kann ich mir anmaßen, Grundschullehrkräften Tipps und Ratschläge zu geben wo ich doch nur zwei Stunden pro Woche und die vielleicht sogar in einem separaten Nebenraum da bin, ohne die vielen verpflichtenden Abläufe und Lerninhalte einer Grundschule berücksichtigen zu können.

Wer gibt vor, welche Lehrkraft in einer Inklusionsschule welche Aufgaben hat? Wie hoch sind die Reibungsverluste, wenn die Zusammenarbeit nicht funktioniert?
Noch dazu, wo ich keine Expertin für Grundschulunterricht bin.
Wie reagieren Eltern auf die neue schulische Situation.
Die Eltern meiner Schüler und Schülerinnen hatten in der Regel erst große Sorgen und Ängste. Spätestens beim ersten Elternsprechtag sagen viele Eltern:
"Mein Kind geht wieder gerne zur Schule", "Es macht die Hausaufgaben wieder selbstständiger!", "Mein Kind ist freier, offener und fröhlicher geworden!“
"Gut, dass wir uns zu diesem Schritt entschieden haben!"
Jeder Schülerin und jedem Schüler eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen steht bei entsprechender Lern- und Leistungsentwicklung ab Klasse 9 die Möglichkeit offen, die 10. Klasse mit dem Hauptschulabschluss abzuschließen.

Wie reagieren die Eltern von Grundschulkindern, die die Entwicklung ihres Kindes durch Kinder mit Förderbedarf als behindert sehen?
Wie reagieren Schülerinnen und Schüler, die sich durch Kinder mit Förderbedarf behindert, gelangweilt und vernachlässigt fühlen?
Wie reagieren die Kinder, die in ihrem Förderbedarf auch nicht mehr annähernd adäquat unterstützt werden - es kommt einmal pro Woche eine zusätzliche Lehrkraft in die Klasse. Wie reagieren die Mitschüler und Mitschülerinnen darauf?
Wie reagieren Grundschulkollegen auf Förderschullehrer, weil sich überfordert sind?
Wir reagieren Förderschulkollegen auf Grundschullehrkräfte, weil sie ebenfalls überfordert sind?
Wie reagieren Eltern?

Und: Für welches Kind kommt dann eine Klassenwiederholung in Frage?
Meine Schüler müssten sicherlich das 1. und das 2. Schuljahr in einer Grundschule wiederholen. Gibt es das bei inklusiven Schulen auch?
Und was ist mit den anderen "normalen" Schülern, die jetzt wiederholen?
Und wie schreibe ich inklusive Zeugnisse.

Da waren wir vor vielen Jahren schon! Eine Volksschule für alle Kinder. Die großen "ehemaligen" Förderschüler sitzen zwei Köpfe größer hinten in der letzten Reihe. Sind sie sitzen geblieben oder sitzen gelassen worden?
Damals war die Einrichtung einer Förderschule eine revolutionäre und fortschrittliche Fortentwicklung des Schulwesens, weil man merkte, das unterschiedliche Schüler unterschiedliche Bedingungen brauchen, um lernen zu können.

Warum werden im Rahmen der Inklusionsideologie eigentlich Gymnasiasten nach Klasse 4 aus dem „normalen“ Schulsystem entfernt? Gerade sie sind es doch, die wir für eine Inklusion brauchen.
Sie hätten die notwendigen Kompetenzen, eigenständig und schnell zu lernen und Mitschülerinnen und Mitschülern zu unterstützen. Gerade diese Schüler werden später Führungspositionen übernehmen, die über die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft bestimmen.
Gerade diese Schülerinnen und Schüler werden in beruflichen Positionen tätig sein, die eine Inklusion von Menschen mit Behinderungen in den beruflichen und gesellschaftlichen Alltag vorantreiben können.
Vielleicht sollen ja viele Oberschüler aufgewertet werden. Jeder ehemalige Hauptschüler wird sich als Oberschüler aufgewertet fühlen, wenn es noch schwächere Schüler in der Klasse gibt, auf die er herunterschauen kann!

Kein Mensch, der Chinesisch lernen möchte, würde mit einem täglich stattfindenden fünfstündigen oder sechsstündigen Kurs im 5. Schwierigkeitslevel beginnen.
... auch dann nicht, wenn er wöchentlich 2 Stunde eine Hilfe neben sich hätte, die neben dem aktuellen Fortschritt auch die anderen 4 fehlenden Level während der 2 Stunden im Auge hätte. Alles einfach zu schaffen für den Helfenden, oder? Vier Level nachfördern und den aktuellen Inhalt einer ganzen Woche gleich mit in die 2 Förderstunden dazu packen - vielleicht auch für einen hochbegabten Lerner an dieser Stelle etwas viel.
Aber so wird es für unsere Kinder beim Lesen, Schreiben und Rechnen täglich sein!

Würde wohl niemand freiwillig machen - oder?
Jeder würde mit Level 1 beginnen.

Unsere Schüler dürfen das nicht! Sie sollen während der ersten vier Schuljahre trotz der unterschiedlichen Unterrichtsmaterialien wenigstens räumlich ja meistens nicht ausgegrenzt werden. Sie sollen täglich sehen und fühlen, was die anderen schon können und sie noch nicht. Oder sollen die anderen sehen, was sie schon können und die anderen noch nicht?

Wir brauchen spezielle Schulen und spezielle Unterstützungsmöglichkeiten für Kinder mit speziellen Bedürfnissen?
Inklusion bedeutet für mich, das verschiedene Menschen verschiedene Unterstützungssysteme benötigen.

Diese Unterstützungssysteme müssen für den Einzelfall möglichst genau angepasst werden!

Möglich und machbar wären für mich z.B. bauliche Veränderungen bei Schulen, damit z.B. Rollstuhlfahrer alle Orte einer Schule besuchen könnten und z.B. auch Lehrkräfte im Rollstuhl in einer Schule arbeiten könnten.

Meines Erachtens benötigen Schülerinnen und Schülerinnen mit so massiven Beeinträchtigungen im kognitiven Bereich, so wie es bei Schülerinnen und Schülern  mit Förderbedarf im Bereich Lernen der Fall ist, eine so spezielle Lernumgebung, wie sie eine Förderschule bieten kann. 
Im Gegensatz zur Kindergartenerziehung, wo meines Erachtens Inklusion aufgrund der anderer Lern- und Erziehungsinhalte möglich und wünschenswert ist, nimmt die Vermittlung von kognitiven Lerninhalten in der Schule einen so hohen Stellenwert ein, dass Schülerinnen und Schüler mit einem Förderbedarf im Bereich Lernen dort nicht mithalten können und die tägliche Ausgrenzung im nicht passgenauen Unterricht, in nicht passgenauen Lerngruppen und mit nicht passgenauen Lehrkräften verbringen müssen!
Trennend wird es für mich deshalb dann, wenn kognitive Unterschiede zu groß werden, um den einzelnen Schülern in einem System noch gerecht werden zu können.


Die UN-Behindertenrechtskonvention bezieht sich auf Menschen mit Behinderungen.
Aber Kinder mit Behinderungen gibt es in unserem Schulsystem im Lernhilfebereich und im Sprachförderbereich so schon seit langem nicht mehr.
Es sind keine Lernbehinderten mehr, es sind jetzt Schüler mit einem sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Lernen. Diese Schülerinnen oder Schüler haben beim späteren Eintritt in das Arbeitsleben keine Bonuspunkte oder die Steuern mindernde Behindertenprozente.

Es kann nicht sein, dass wir, sowohl als Grundschullehrkräfte, als auch als Förderschullehrkräfte unzumutbare Rahmenbedingungen für den Unterricht der uns anvertrauten Schülerinnen und Schüler ohne Protest akzeptieren.
Beim Versagen des Projektes Inklusion werden wir Lehrkräfte uns dann vielleicht sogar gegenseitig den Vorwurf des Versagens machen, obwohl das Versagen in meinen Augen aufgrund fehlender Ressourcen und der massiven Überforderung aller Lehrkräfte und Schüler systembedingt unabwendbar sein wird.

Wir brauchen für Schülerinnen und Schüler maßgeschneiderte Lernangebote, so dass jedes Kind seinen Möglichkeiten entsprechend Lernfortschritte machen kann.
Wir brauchen Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte, die ihnen ein sinnvolles Arbeiten ermöglichen. Langandauernde berufliche Überforderungen für Lehrkräfte wirken sich in einem erheblichen Maße negativ auf die Schule aus.

Durch das tägliche Zusammenarbeit zwischen der Außenstelle der Förderschule und der Grundschule sind mir die vielen einschneidenden Veränderungen in der Grundschule in den vergangenen 12 Jahren nicht entgangen.
Systematisch wurde dort in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten abgeschafft:

  •  Ein gut funktionierendes Vorschulsystem wurde abgeschafft.
  • Eine Vielzahl von Förderstunden (Sprachförderung) wurde von der Grundschule in den Kindergarten verschoben, so dass sich die Fördermöglichkeiten in der Grundschule drastisch reduziert haben.
  • Mit der Abschaffung der Orientierungsstufe ist die Schullaufbahnberatung in der Klasse 4 nun eine zusätzliche Aufgabe der Grundschule geworden.
  • Im Zuge der Entwicklung der Kerncurricula haben sich die Leistungsanforderungen an die Schülerinnen und Schüler in der Grundschule deutlich erhöht
  • Mit der Umwandlung der eigentlich weiter auszubauenden gut funktionierenden Vollen Halbtagsschulen in Verlässliche Grundschulen sind diesen Grundschulen viele weitere Lehrerstunden verloren gegangen
  • Durch die Umwandlung der Vollen Halbtagsschulen in Verlässliche Grundschulen hat sich der Unterricht für diese Schüler und Schülerinnen extrem verdichtet. Viel Lerninhalt muss in wenige tägliche Unterrichtsstunden ohne Räume für Entspannung und Spielmöglichkeiten konzentriert werden. Dafür dürfen die Betreuungskinder im Anschluss eine Stunde „Vollzeitspielen“. Nicht wenige Schülerinnen und Schüler finden ihre „Betreuungslehrerin“, wo sie sich mit tollen Materialien beschäftigen und draußen spielen dürfen viel besser als eine Lehrkraft, die unter hohem Zeitdruck eine riesige Leistungsspanne in der Schülerschaft im Deutsch- oder Mathematikunterricht differenziert unterrichten muss.
  • Das Einschulungsalter wird weiter herabgesetzt, so dass immer jüngere Kinder unterrichtet werden.
  • Grundschullehrkräfte mit Vollzeitstellen müssen zwischen verschiedenen Schulen, bzw. Kindergärten pendeln, da sie ihre Stunden nicht mehr an einer Schule ableisten können.
  • Stattdessen betreuen in einem sehr geringem Umfang ausgebildete pädagogische Mitarbeiterinnen die Schülerinnen und Schüler, wenn eine Lehrkraft erkrankt ist.
  • Vielen Grundschulen droht aufgrund des massiven Schülerrückgangs eine Verkleinerung wenn nicht sogar eine Schließung, so dass sie sich intensiv um jede Schülerin und um jeden Schüler bemühen wird, damit der eigene Arbeitplatz erhalten werden kann.
  • Jetzt kommen im Zuge der Inklusion Schülerinnen und Schüler mit umfänglichen Förderbedarfen in verschiedensten speziellen Bereichen (Lernen, Sprache, Geistige Entwicklung, Sozial-Emotionaler Bereich, etc.) als neue zusätzliche Herausforderung in die Grundschule dazu. Zur Belohnung darf zusätzlich noch für ca. 2 Stunden pro Woche die Zusammenarbeit mit einer Förderschullehrkraft koordiniert werden, die sich in ihrer Lehrerausbildung maximal mit 2 Förderschwerpunkten befasst hat, und die die ganz normalen Alltagsanforderungen einer Grundschule ebenso wenig kennt, wie es umgekehrt auch von einer Grundschullehrkraft nicht im Förderschulbereich erwartet werden kann.


Wir brauchen für jeden Schüler berufliche Anschlussmöglichkeiten, damit sich Lernen lohnt. Wenn alle Eltern und Schüler wüssten, dass Schüler mit einer Schulausbildung im Förderschwerpunkt Lernen eine berufliche Perspektive haben, die ihnen einen menschenwürdigen Arbeitsplatz mit einem menschenwürdigen Lohn ermöglicht, hätte die Förderschule bereits eine breite gesellschaftliche Akzeptanz gefunden, da die Schule nicht in einer Sackgasse endet, sondern Perspektiven fürs Leben bietet


Liebe Kolleginnen und Kollegen der Grund- und Förderschule,
helft mit, dass alle Beteiligten unter menschenwürdigen Bedingungen leben, lernen und arbeiten können!


Bedenkt, dass alle erfolgreichen integrativen Modelle von hoch motivierten Lehrkräften und in freiwilliger Zusammenarbeit entstanden sind.
Bedenkt, dass alle Modelle als Modelle besonders gefördert und mit vielen zusätzlichen Stunden und zusätzlichen Ressourcen unterstützt wurden.
Bedenkt, dass es immer noch einen Ort für die „Restschüler“ gab.
Bedenkt, dass alle hoch motivierten beteiligten Personen in ihren Erfahrungsberichten einem gewissem Erfolgzwang unterworfen waren und ein Scheitern nicht eingestehen würden. Bedenkt, dass viele schreibenden Personen ggf. in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen, dass keine kritischen Anmerkungen ermöglicht.
 

Inklusion ist da gut, wo alle von ihr profitieren und alle sie leben könnten, ohne daran zu verzweifeln, abzustumpfen, zu resignieren oder krank zu werden.
Sonst schürt sie den Hass auf den jeweils anderen.
Eine gelingende schulische Inklusion ist bei den derzeitigen Rahmenbedingungen meines Erachtens so nicht möglich.

Bald müssen sich Grund- und Förderschullehrer für eine Inklusion engagieren, die vielleicht mit dem Ende der 4. Klasse enden wird!
Wozu die ganze Quälerei bei minimalen Ressourcen?
Viele Förderschüler im Bereich Lernen erreichen in der Klasse 10 der Förderschule  einen Hauptschulabschluss. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele dieser Schüler aufgrund der Rahmenbedingen in einer Grund- und in einer Haupt- oder Oberschule ggf. keinen Schulabschluss erreicht hätten.


Jetzt haben Sie meine persönlichen Gedanken, Ideen und Sorgen zur geplanten Inklusion gelesen. Ich alleine kann nichts bewirken und verändern.

Wie denken Sie? Was kommt in Ihrem Arbeitsgebiet auf sie zu?  Wie werden Sie Inklusion in Ihrer Klasse umsetzen? Fühlen Sie sich gut informiert und vorbereitet, um mit Ihren Schülern an der Zukunft unserer Gesellschaft zu arbeiten?

 


Mögliche Fragen, die sich Grundschullehrkräfte stellen könnten:

  • Wie gehe ich mit der Inklusion ab 2012/2013 um?
  • Welche Aufgaben soll die Förderschullehrkraft für 2 Stunden pro Woche in meiner Klasse übernehmen? Soll sie meinen Deutschunterricht unterstützen oder den Mathematikunterricht eines Kollegen, der in meiner Klasse unterrichtet?
  • Wo soll die Förderschullehrkraft während der 2 Stunden sein?
  • Welche Schüler soll die Förderschullehrkraft betreuen?
  • Wann soll die gemeinsame Zusammenarbeit mit der Förderschullehrkraft stattfinden?
  • Wann habe ich Zeit für gemeinsame Absprachen, die ggf. wöchentlich mindestens einmal erforderlich sein werden (geht ja wegen der Aufsichten und der Fahrzeiten der Förderschullehrkraft nicht in den Pausen) – vielleicht im Anschluss an den Unterricht von 13.00 Uhr bis 14.00 Uhr).
  • Wie gestalte ich die 18 oder 22 Unterrichtsstunden in meiner Klasse, wenn die Förderschullehrkraft nicht da ist.
  • Kommt eine Vertretungslehrkraft, wenn die Förderschullehrerin erkrankt oder auf Fortbildung ist? Kann eine Vertretungslehrkraft in diesem System sinnvoll eingesetzt werden oder übernimmt eine pädagogische Mitarbeiterin der Grundschule die Aufgaben?
  • Wann berichte ich dem Förderschullehrer vor seinem Kommen die aktuelle Situation und meine aktuellen Wünsche an Unterstützung?
  • Was mache ich, wenn der Förderschullehrer ganz anders über die Situation denkt und andere Wünsche äußert?
  • Bedenke bei allen Überlegungen: Es sind nicht die Schülerinnen und Schüler, die ich jetzt für eine Förderung im Auge haben: dieses sind in der Regel Grundschülerinnen und Grundschüler mit knapp ausreichenden Lernleistungen – es geht hier um Schülerinnen und Schüler, die in der Grundschule nicht mehr zu beschulen waren!!!
  • Bedenke: Es gibt weltweit kein Förderkonzept, mit dem man Schülerinnen und Schüler mit einem Förderbedarf im Schwerpunkt Lernen so fördern kann, dass der Förderbedarf irgendwann wegfallen kann. Seit der Geburt macht dieser Schüler/diese Schülerin in der Zeit vielleicht einen Schritt, wo ein anderes Kind ohne Förderbedarf drei Schritte macht. Selbst wenn ich einen Entwicklungsschritt fördere, hat ein anderes Kind in dieser Zeit drei neue Schritte gemacht. Verabschiedet euch von dem Gedanken, dass Lese- und Rechenschwierigkeiten durch Förderung und Förderschullehrer heilbar ist – das können wir nicht, das können die Schüler nicht!!!
    Wir können nur in mühevoller Kleinarbeit mit deutlich reduzierten Unterrichtszielen und mit viel Zeit, Ruhe, Geduld und täglicher Übung kleine Lernfortschritte bewirken.
  • Leider sind wir Förderschullehrer in der Grundschule nur selten und nur kurz da – und nun?

 

Bei Schulen mit Außenstellen denkt die Schulleitung vielleicht daran, die Förderschullehrerstunden an einer Schule zu bündeln.

  • Welcher Grundschulkollege möchte an der Schule arbeiten, wo Inklusion stattfindet und während der Schuljahre immer neue Schüler aus der Außenstelle dazu kommen?
  • Welcher Grundschulkollege möchte an der Außenstelle arbeiten, wo keine Inklusion notwendig ist und er die schwierigen Schüler in die Hauptstelle abgeben kann? Welchen Inklusionsbegriff erlernen die verbleibenden Schüler und Schülerinnen der abgebenden Außenstelle.
  • Wer entscheidet, wo welcher Lehrer (bei gleichem Verdienst) arbeitet?
  • Wie kommt ein Schüler mit Lernschwierigkeiten von der Außenstelle in die Inklusionsklasse? Wer fährt ihn dahin und übernimmt die Fahrtkosten?
  • Wer erzählt den Eltern, dass ein Schüler, die Schule wechseln muss, damit er in eine Inklusionsklasse kann?
  • Wie reagiert die Elternschaft?

 

Sie können auf diesen Beitrag über die eMail-Adresse der dgs-Landesgruppe Niedersachsen e.V. antworten (dgs-niedersachsen(at)dgs-ev(dot)de). Wenn Sie es wünschen, leiten wir Ihre Antwort auch direkt an die Kollegin weiter.

 

nach oben




Bericht einer Initiative aus dem südoldenburger Münsterland

 

Im Zuge der Inklusionsdebatte erreichten die dgs-Landesgruppe Niedersachsen sehr interessante Nachrichten aus dem südoldenburger Münsterland in Bezug auf den Förderschwerpunkt Sprache. Mit einer überwältigenden Rückendeckung haben Elternvertreter der Sprachheilklassen der Elisabethschule Vechta eine Initiative für den Erhalt eines "spezifischen Förderangebotes" für Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf Sprache im Landkreis Vechta gestartet. Zunächst wurden die Eltern informiert und befragt:

 

    Anlage 1

 

Nach der Rückmeldung vereinbarte man einen Gesprächstermin mit Dr. Siemer, dem Landtagsabgeordneten aus Vechta. In dem Gespräch wurden die Sorgen und Anliegen der Eltern erörtert. Dr. Siemer versprach, sich in Hannover kundig zu machen und die Eltern zu unterstützen. Nach nur 2 Tagen meldete er zurück, dass seine Fraktion (CDU) auf jeden Fall die Sprachheilklassen als Angebot weiterhin unterstützen werden. Weiterhin initiierten er und die Elternvertreter einen Foto- / Pressetermin, um auch die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

 

   Anlage 2
 

Die Elternvertreter nahmen mit Elternvertretern benachbarter Förderzentren (u.a. Cloppenburg, Friesoythe) Kontakt auf und informierten über die beschriebene Initiative. Man stieß auf großes Interesse. Cloppenburg und Friesoythe starten nun ähnliche Aktionen. Auch heimische Politiker wurden informiert.

 

   Anlage 3

 

Nach Absprache mit den Eltervertretern in der Region möchten wir an dieser Stelle die im Text benannten Anlagen allen Interessierten hier zur Verfügung stellen, damit auch in anderen Teilen Niedersachsens vergleichbare Initiativen konstruktiv gestartet werden können.

 

Der Landesvorstand dankt herzlich für diesen Diskussionsbeitrag!

 

Es sei darauf hingewiesen, dass am 31. März 2011 eine Diskussionsrunde in Nienburg zwischen Schulleitungen und Politikern der FDP und Elternvertretern stattfinden wird.

Am 5. April 2011 treffen sich Regionspolitiker (Region Hannover) aller Fraktionen mit den Schulleitungen und Schulelternratsvorsitzenden der Förderschulen Schwerpunkt Sprache in der Albert-Liebmann-Schule Hannover.

 

nach oben